
Sieben Jahre nach Episode 9 – Der Aufstieg Skywalkers ist nun ein neuer Star Wars-Film in den Kinos angelaufen. Man müsste annehmen, der Hype wäre unbeschreiblich: Menschentrauben vor ausverkauften Lichtspielhäusern, unendliche Massen, zuckend in heller Vorfreude auf ein sensationelles Filmerlebnis.
Der Hype blieb jedoch aus. Als ich einen Nachbarn fragte, ob er und sein Sohn sich uns zum Film anschließen wollten, lautete seine verdutzte Gegenfrage: „Es gibt einen neuen Star Wars-Film?“ Das ist symptomatisch für dieses abgestürzte Film-Franchise, das einmal eine Legende war. Viele wissen gar nicht, dass ein neuer Film läuft. Die, die es wissen, quittierten diese Neuigkeit oft mit stoischem Schulterzucken.
Viel zu sehr wurde die Marke durch schlechte Geschichten beschädigt. Star Wars hat Risse bekommen. Neben den Rogue One-Storys ist das Mandoverse der einzige, zumindest teilweise vom Erfolg gekrönte Geschichtenzweig. Klar, dreht man dann gerade dazu mutig einen Film. Ist ja nicht so, als gäbe es im Star Wars-Universum unzählige packende Geschichten, die auf großer Leinwand schön anzusehen gewesen wären. Visionen? Wagemut? Fehlanzeige. Stattdessen verzagt auf den gewohnten, alten Gaul setzen.
Zumindest mein Sohn und sein Freund freuten sich auf den Kinoabend. Zwar hatte mein Sohn bereits Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith im Kino gesehen, aber dies war der erste wirklich neue Star Wars-Film. Oder doch nur eine Serie?
Tatsächlich ist deutlich erkennbar, dass der angebliche Film eher als Serie geplant gewesen sein muss. Die Handlung ist in mehrere Abschnitte unterteilt, wie bei Serien dieser Art üblich. Werfen wir einen Blick darauf:
Handlung
Der Alltag eines Kopfgeldjägers. Din Djarin (Pedro Pascal, Brendan Wayne – der Enkel von John Wayne) und sein kleiner grüner Kumpel Grogu suchen für die Neue Republik, nach verbliebenen imperialen Warlords, denn immer noch treiben versprengte Truppen des ehemaligen Imperiums ihr Unwesen.
Eines Tages bekommt Din von Colonel Ward (Sigourney Weaver) den Auftrag, den geheimnisvollen imperialen Kriegsherrn Janu zu finden. Ward kann Din nur eine Spur mitgeben: Er muss die Nachfolger von Jabba the Hutt, die sogenannten Zwillinge, aufsuchen, die an der Spitze des Hutten-Syndikats stehen. Die können ihm bei der Suche nach Janu helfen.

Natürlich helfen die beiden schuftigen Hutten nicht aus reiner Herzensgüte. Für Preisgabe des Aufenthaltsorts von Janus, erwarten sie, dass Din ihnen zuerst den entführten Sohn von Jabba, Rotta the Hutt, zurückbringt. Din willigt ein. Auf dem Planeten Shakari findet er Rotta, der mit Arena-Kämpfen seine Freiheit zurückgewinnen möchte. Von einer Rückkehr zu den Zwillingen will er aber nichts wissen. Als Din Djarin trotzdem versucht, Rotta zu befreien, findet er sich bald selbst in der Arena wieder, mit ein paar der tödlichsten Kreaturen, die die Galaxis zu bieten hat …
Es kreucht und fleucht
Tatsächlich gibt es in den Städten der verschiedenen Welten zum Großteil wieder nur menschliche Statisten. Das kennen wir bereits aus (anderen) Serien. Die Charaktere, die die Handlung voranbringen, sind dagegen meist nichtmenschliche, teils lieblos entwickelte CGI-Figuren. Eine größere menschliche Sprechrolle haben nur Pedro Pascal und Sigourney Weaver. Pascal trägt fast immer seinen Helm, sodass wir überhaupt keine Verbindung zu dessen Figur aufbauen können. Weaver hat mehr einen Gastauftritt. Alle anderen Figuren, von Grogu bis Rotta, kommen aus dem Computer, was den Film ein wenig seelenlos erscheinen lässt. Das kann Grogus Putzigkeit auch nicht kaschieren.
Aber es macht Spaß, einen Hutten mal in Aktion zu erleben, spezifisch in der Arena und am Ende des Films. Nicht alle Hutten sind so träge und fett, wie Jabba.

Die Highlights – das hat mich abgeholt.
Für mich war der Kampf in der Arena eines der Highlights des Films. Wenn Mando und Rotta gegen die unterschiedlichsten gefährlichen Kreaturen kämpfen, ist das munter anzusehen. Auch das Kreaturendesign ist fantasievoll. Hier kommt dann doch ein bisschen Star-Wars-Feeling auf.
Ebenso, wie am Anfang des Films, der für mich die unterhaltsamste Szene darstellte. Hier hat Din etwas von einem James Bond der Zukunft. Mit allerlei Gimmicks ausgestattet, schießt er sich durch eine imperiale Basis auf einem Eisplaneten. Nichts und niemand kann ihn stoppen. Nicht nur Jedi/Sith, auch Mandalorianer können Kampfmaschinen sein. So trifft Din schon bald auf eine Karawane AT-ATs, denen er sich in beeindruckenden Bildern stellt.
Nicht minder beeindruckend ist das größte Monster des Films, das die Hutten in ihren Gruben halten: die Drachenschlage. Diese aggressive Kreatur ist eigentlich in den Sümpfen von Dagobah zuhause. Hier ist sie das Haustier der Hutten (mögliche Ähnlichkeiten mit Die Rückkehr der Jedi-Ritter sind natürlich Zufall).

Richtig cool wäre eine Begegnung mit dem Mythosaurier gewesen, dessen Symbol – ein Schädel mit markanten, nach innen gebogenen Stoßzähnen – die Rüstungen vieler Mandalorianer ziert. Auch Boba Fett trägt dieses Symbol. Seit dem ersten kleinen, aber beeindruckenden Auftritt in The Mandalorian, Staffel 3, Folge 2, hoffe ich, mehr von dieser Kreatur zu sehen.
Fanservice darf natürlich nicht fehlen
Aber ansonsten kann man sich über Fanservice nicht beklagen, gerade wenn es um bekannte Figuren geht. Allen voran natürlich Zeb und Embo. Mandos Rebellen-Gefährten Zeb Orrelios kennt jeder, der sich mit der animierten Serie Rebels beschäftigt hat. Und der Gegenspieler von Mando, der geheimnisvolle Kopfgeldjäger Embo aus der Serie Star Wars: The Clone Wars, hat fast den gleichen Kultcharakter wie sein Kollege Cad Bane (der kommt allerdings nicht vor).

Meine persönliche kleine Attraktion, die ich mit offenem Mund bestaunte, war aber keine Figur, sondern ein Gefährt: der INT-4 Interceptor. Der INT-4 ist ein graues, einsitziges Kurzstrecken-Fluggerät des Imperiums. Ursprünglich wurde es 1982 von der Firma Kenner als eins der schrägen, sogenanntes Mini-Rig-Fahrzeuge konzipiert. Dieses Spielzeug war ein Zubehör für Star Wars-Actionfiguren. Im Alter meines Sohnes, hatte ich eins davon. Nun hat der INT-4 Einzug ins Kino gehalten.
Fazit
Ist der Film wirklich so schlecht, wie viele Kritiker und Fans behaupten? Nicht, wenn man mich fragt. Klar! Die dürftige Handlung wird mit überladener Action getarnt. Der Film gleicht einem durchgedrehten Jagdflugzeug, das ein Drehbuchziel nach dem anderen anpeilt, während es mit Überschallgeschwindigkeit zum Abspann fegt. Ruhige Szenen gibt es kaum, aber es gibt sie. Zum Beispiel, wenn Grogu Din Djarin gesundpflegt.
Trotzdem sollten Mando-Fans eigentlich auf ihre Kosten kommen. Allen, denen die Serie gefällt, kann ich auch den Film nahelegen.

Die lang erwartete Rückkehr von Star Wars ins Kino war das aber eher nicht. Dem Streifen fehlt einfach der epische Touch. Die Bedrohungen sind überschaubar. Für die Neue Republik geht es im Grunde um nichts. Es ist die Anekdote zu einem Kopfgeldjäger dieser Zeit, also nicht mehr, als eine Randnotiz. Am Ende haben sich Mando und Grogu nicht weiterentwickelt. Gerade um Grogu tut es mir leid. Er ist weder als Machtnutzer, noch als Mandalorianer gewachsen. Aber zumindest darf er als flauschiger Fanartikel herhalten, der alle mit seiner Niedlichkeit zum Schmelzen bringt.
Ich kann nur hoffen, dass dieses Franchise sich langsam erholt, jetzt, wo Kathleen Kennedy den Posten als Präsidentin von Lucasfilm geräumt hat. Zu viel Schaden hat sie während der Zeit ihrer Regentschaft, dem Franchise zugefügt. Auch The Mandalorian and Grogu erzeugte kein großes Interesse. Wir gingen am Tag nach dem offiziellen Filmstart ins Kino, trotzdem saßen wir in einem nur zur Hälfte gefüllten Saal, bei 180 Plätzen.
Mein Sohn und sein Freund wurden trotzdem gut unterhalten. Aber ich hätte ihm gerne einen Film gezeigt, der, wie Krieg der Sterne damals, eine Effektrevolution auslöst und daher wie bei mir, seine kindlichen Träume in neue Sphären hebt.
Originaltitel: Star Wars: The Mandalorian and Grogu. Science-Fiction. USA 2026. 132 Minuten. Regie: Jon Favreau. Drehbuch: Jon Favreau, Dave Filoni. FSK 12
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